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Screenplayer Screenplayer



Was verbindet ein Techno Rave, ein Beethovenkonzert, ein mongolischer Obertongesang und das Geräusch eines Staubsaugers miteinander? Sie sind allesamt Beispiele unterschiedlicher Klangterritorien, die offenbar wenig miteinander zu tun haben. In allen Fällen hören wir Klänge, die sich jedoch in verschieden "klanglichen Territorien" aufzuhalten scheinen.

Klangterritorien sind nicht scharf voneinander abgegrenzt. Ihre Unterscheidung erschöpft sich keinesfalls in der Zuordnung zu verschiedenen Genres oder in unterschiedlichen Klangfarben. Eine Klaviersonate von Beethoven besetzt z.B. ein anderes Territorium als das Klavierstück X von Karl-Heinz Stockhausen.

Treffen verschiedene Klangwelten aufeinander, können sie manchmal sich ergänzen, gegenseitig kommentieren oder gar etwas völlig Neues ergeben. So wurde beispielsweise vor fast 60 Jahren die Verbindung des indischen Sitar-Klangs mit dem Klang einer Rockband im Beatles-Song Norwegian Wood zum Startpunkt gänzlich neuer Stilrichtungen.

Von Menschen erfundene Klangfolgen wollen uns normalerweise etwas sagen, zu uns reden. Sie verhalten sich also ein wenig wie Texte. Diese wiederum lassen sich bekanntermaßen in der digitalen Welt problemlos miteinander verbinden durch die Hypertext Markup Language (HTML) des World Wide Web. Durch Links vermittelt können unterschiedliche Texte miteinander vernetzt werden. Die Leser können sich ihren individuellen Pfad durch dieses Netzwerk suchen.

Der in Israel lebende Komponist Friedhelm (Freed) Hartmann übertrug dieses Konzept auf die Welt der Klänge. Seine hypersound touchpoints verlinken Klangterritorien miteinander. Siehe hier.


Touchpoints

Vier Fenster mit zuvor bereitgestellten musikalischen Materialien in Form von Klangdateien lassen sich durch Klick mit der Maus an beliebigen Stellen zum Leben erwecken. Die Fenster können Links in Form von farbigen Punkten (Touchpoints) enthalten. Sie dienen als Vorschläge und zur Orientierung beim Weg durch die Klanglandschaften. Ein Klick mehr zum oberen Rand der Fenster lässt die Musik lauter erklingen, beim Klick in die unteren Regionen wird es leiser. Mit der Hilfe von Standardsoftware zur Fernsteuerung von Rechnern können mehrere auch weit voneinander entfernte Personen in einer Aufführung miteinander kollaborieren und gemeinsam Pfade durch die Klangterritorien finden.

Technische Beschränkungen der Software bewogen mich zur Entwicklung eines für das Web optimierten vollständig auf HTML5 basierenden und einfacher zu handhabenden Screenplayers. Dieser erfuhr im Dezember 2012 seine Feuertaufe: beim zweiten der Freesound mixt(o)ur-Konzerte in Jaffa bei Tel Aviv, Israel, kam sowohl Friedhelms ursprünglicher Touchpoint Screenplayer als auch der neue "Dataflo Screenplayer" zum Einsatz. Vier Komponisten/Performer aus Deutschland und Israel steuerten dabei die Touchpoints und Klänge des im Konzertsaal in Jaffa beheimateten Screenplayers. Ein Video mit einigen Eindrücken von den Konzerten ist auf YouTube anzuschauen.


Soundprints

Mittlerweile wurde der Screenplayer nochmals erweitert. Anlass war ein geplanter Beitrag für das Festival Blaues Rauschen in 2022. Nun können mehrere Sätze unterschiedlicher Touchpoints verwendet werden. Außerdem kann eine Art Partitur geschrieben werden, die für bestimmte Touchpoints oder nach festgelegten Zeiten eine Umschaltung der Touchpoint-Sets und der Sound-Windows ermöglicht.

Einige der Screenplayer-Setups können hier ausprobiert werden. Das erste der Beispiele funktioniert sogar auf Smartphones und Tablets.

Enjoy!

Screenplayer    Voiceprints for Tel Aviv (2014)
    
Screenplayer    DataFlo Ensemble (2014)
    
Screenplayer    Pfad mit Lichtungen (2022)